Mittelständler vor großen Herausforderungen: Die Digitalisierung zu Industrie 4.0 beschleunigt, erweitert und verschärft bestehende Trends

Auch wenn die Top 100 mittelständischen Firmen mit exzellenter Performance glänzen, sehen wir auf der anderen Seite jedoch, dass die Situation vieler Firmen sehr herausfordernd ist und sehr großer Handlungsbedarf besteht, der nur durch eine Öffnung für Innovationen, Kooperationen und neue Geschäftsmodelle realisiert werden kann.

Nachdem zunächst große Veränderungen in der Geschäftsentwicklung und bei den Kundenbeziehungen stattgefunden haben, unterliegen jetzt die Liefer- und Leistungsbeziehungen (supply-chain)in den Fertigungsindustriender massiven Transformation in Folge

  • der internationalen / globalen, vernetzten Wertschöpfung
  • neuer Wettbewerber z.B. aus China, Indien, Korea, Brasilien oder auch
  • neuer OEMs und Generalunternehmer / Contractors aus diesen Ländern, z.B. im Anlagenbau, Aerospace / Aviation, Energie und Infrastruktur Sektoren.
    z.B. Hidden Champions aus China (HB 8.6.15)

Die Digitalisierung der Industrie (Industrie 4.0) wird darüber hinaus die bisherige Wertschöpfung und Lebenszyklen auch durch neue Geschäftsmodellen in Frage stellen und grundsätzlich verändern.

Aussagen beim VDMA Engineering Summitim Dezember 2015 bestätigen, dass sich jetzt nicht mehr nur die „normale“ Fertigungsindustrie dem Thema Industrie 4.0, sondern auch der Großanlagenbau sich diesen Herausforderungen stellen muss. Es bleibt niemand von dem fundamentalen Umbruch verschont, egal welche Branche und welche Größe: 
Das Leitbild "Industrie 4.0" verleiht Entwicklungen, wie der IT-Integration, dem Einsatz von Data-Mining und Expertensystemen, eine neue Priorität, weil diese nun auch „Top-down vom Management getrieben werden" (müssen).

Entscheidend wird zukünftig sein, die Agilität, d.h. Flexibilität und Schnelligkeit, weiter zu erhöhen, um immer bereit zu sein, neue Opportunitäten aufgreifen und sich schnell und intelligent in neue Kunden-, Liefer- und Partnernetzwerke einbinden und Konzepte „Industrie 4.0“ erfolgreich mit realisieren zu können.
Agilität stellt folgende wichtige Anforderungen an ein Unternehmen:

  • Schnelle Entscheidungen im Top Management
  • Schnelle Anpassungen der Organisation
  • Stabilität der Organisationdurch das Ausbalancieren von Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit über
    • ein klares Rollenverständnis und operative Disziplin,
    • Innovation & Lernfähigkeit sowie
    • Motivation und inspirierende Führung

Mittelstand mit Realisierungslücke in die Zukunft zu Industrie 4.0

Nachrichten wie „Wachstumsschwäche in Europa bremst weiterhin die Innovationstätigkeit” aus dem „KfW Innovationsbericht Mittelstand 2015" (Februar 2016) unterstreichen, dass alle Unternehmer, wenn sie auch zukünftig Erfolg haben wollen, weiterhin investieren müssen, um über Innovationen, Technologie und neue Geschäftsmodelle Wettbewerbsvorteilezu entwickeln oder aus zu bauen. Gefragt ist aber auch die Politik, mit nachhaltigeren Rahmenbedingungen ein innovationsfreundliches Klima wieder verstärkt zu unterstützen und gleichzeitig die Bedeutung / Dominanz des Staates in der Wirtschaft zurück zu führen.

Neben den klassischen Branchen, wie z.B. Maschinenbau, in denen der deutsche Mittelstand oft führende Marktpositionen besetzt, hinken in Deutschland die kleinen Unternehmen in „neuen“ Sektoren hinterher: „Man darf aus dem hohen Anteil an mittelständischen Weltmarktführern aus Deutschland nicht schließen, dass die kleinen und mittelständischen Firmen insgesamt innovativer sind als in anderen Ländern“ (Acatech-Präsident Henning Kagermann, FAZ 21.12.15).

Für die Politik bedeutet dies, Rahmenbedingungen und Vertrauen zu schaffen, die beide notwendig sind, damit Mittelständische Unternehmer nachhaltig investieren können und wollen. Mittelständische Unternehmer können sich „Portfoliobereinigungen“ und Fehler wie die Großindustrie nicht leisten!